Jetzt reinhören! Kurator Michael Merkel wurde vom Museumsfernsehen über Gravuren interviewt (Ausschnitt).

Auf vielen der in der Ausstellung gezeigten Objekte, auf Geräten, Knochensplittern, Zähnen, aber auch auf figürlichen Darstellungen finden sich mehr oder weniger komplexe Gravuren. Dabei kann es sich um Punkte, Striche, Keile, Kreuze oder auch um flächendeckende Muster handeln. Aus den osteuropäischen Fundstellen kennt man sehr eindrucksvolle Wellen- und Leitermuster oder ineinander geschachtelte Mäander. Die genaue Bedeutung dieser Gravuren liegt nach wie vor im Dunkeln. Manchmal erscheinen sehr lebhafte solcher Darstellungen wie Anmutungen von Naturgegebenheiten, etwa Flüsse und Berge, sodass sie bisweilen als Landkarten interpretiert worden sind. Einfachere Reihungen gelten oftmals als Zählungen oder so genannte Jagdmarken, andere Stücke wirken wie Zählungen im Sinne astronomischer Beobachtungen und Regelhaftigkeiten. Manche Forscher werteten diese Zeichen gar als eine Vorform von Schrift. In Bezug auf die Elfenbeinfiguren der Schwäbischen Alb wurde vermutet, dass die Zeichen eine Markierung der Gruppenidentität darstellen könnten. Der Versuch, bestimmte Zeichentypen mit bestimmten Tieren oder Körperregionen in Verbindung bringen zu können, scheiterte. So zeigt das Beispiel der Gravuren, dass die heutige Urgeschichtsforschung zwar bereits viel erreicht hat, aber in bestimmten Fragen doch ihre Grenzen findet. Die hier gezeigten Stücke aus Mammutelfenbein stammen aus Eliseevitchi und sind ca. 15.000 Jahre alt.

Steckbrief

TEXT: Sibylle Wolf, Universität Tübingen
LEIHGABE: Kunstkammer St. Petersburg

Sonderausstellung EisZeiten

Das Archäologische Museum Hamburg zeigte mit der Ausstellung »EisZeiten – Die Kunst der Mammutjäger« (bis 14. Mai 2017) eine stattliche Anzahl originaler Meisterwerke der Eiszeitkunst aus der Zeit der Anfänge menschlichen Kunstschaffens. Insbesondere die herausragenden Funde aus den Sammlungen in Sankt Petersburg sowie die kleinen Elfenbeinfiguren der Schwäbischen Alb aus den Sammlungen der Universität Tübingen sind herauszustellen, da sie zu den ältesten Kunstwerken der Welt zählen.