Sammlungsleiter Dr. Michael Merkel über das Fotoarchiv des Archäologischen Museums Hamburg, die Digitalisierung und die Ausstellung “Frisch entwickelt – Harburg in frühen Fotografien”

Das AMH ist nicht nur das Archäologische Museum Hamburgs, sondern gleichzeitig das Stadtmuseum für Harburg. Harburg ist zwar bereits seit 1937 ein Teil Hamburgs, war davor aber eine unabhängige Stadt, Industriestandort und Niedersachsens wichtigster Elbhafen.

Aus der Frühzeit der Fotografie Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts erzählen viele Bilder von der Stadtgeschichte, die heute zu den Beständen des Museums gehören. Darunter befinden sich Nachlässe bekannter und Hobbyfotografen aus Harburg sowie das Archiv der aufgelösten Zeitung Harburger Anzeigen und Nachrichten.

 

Viel mehr als Scherben: Bildquellen zur Zeitgeschichte der Stadt Harburg

Über 300.000 einzelne Bilder, Dias und Negative gehören heute zur Sammlung des Archäologischen Museum Hamburg und Michael Merkel, der sich scherzhaft als Herr der Scherben bezeichnet, ist als Leiter des Archivs/Magazins neben den archäologischen Funden auch für diese Nachlässe zuständig. Seit 2018 sitzen in einem Büro am Museum vier Kollegen von den Elbe-Werkstätten an der aufwendigen Digitalisierung der Bilder. Mit den Werkstätten besteht eine rege Kooperation, die von der Kulturbehörde finanziert wird. Und die Erfolge können sich sehen lassen: Beinahe 2/3 der Bestände sind bereits digital erfasst. So schnell kommt man mit der historischen Auswertung dieser Foto-Schätze kaum hinterher.

Ein Blick in die Geschichte – Ausgrabung im Bildarchiv

Das AMH zeigt daher immer wieder Ausschnitte aus der reichen Sammlung, z. B. erstmals in der Publikation zum 120-jährigen Bestehen des Hauses im vergangenen Jahr. Dort finden sich Fotos von der Gründung des Helms-Museums und den allerersten Ausstellungen. Nun werden seit November 2018 in einer Sonderausstellung 26 Fotografien aus dem frühen 20. Jahrhundert gezeigt. Stadtansichten, die seltsam vertraut anmuten, aber auch viele Gebäude zeigen, die es heute nicht mehr gibt. Wenn man beispielsweise ein Fachwerkhaus im Bild wiederfindet, dass die Bodendenkmalpfleger des AMH erst vor kurzer Zeit ergraben haben, wird auch die Archivarbeit zur Archäologie.

Fotoplatten digital retten und Abzüge machen wie Anno dazumal

Die Abzüge in schwarz-weiß, die derzeit zu besichtigen sind, werden vor allem Fans historischer Fototechnik begeistern. Die alten Glasplatten wurden wie früher in der Dunkelkammer handwerklich anspruchsvoll abgezogen. Fotokünstler Martin Eckert hat sich dieses Verfahren selbst beigebracht. Die Auflösung und Qualität der Fotos erreicht manch moderne Digitalkamera kaum. Aber hören Sie selbst, wie die Ausstellung entstand, und schauen Sie gern persönlich rein ins alte Harburg – frisch entwickelt!
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, 10 – 12 Uhr
Ort: Sonderausstellung, 1. OG, Museumsplatz 2, Hamburg

Ergänzung:

Unser Digitalisierungsteam hat vor zwei Woche einen tollen Fund im Fotoarchiv gemacht: Beim Scannen der historischen Glasnegative des Museums tauchten auch sechs Kleinbild-Dias auf, auf denen die Ausgrabung am Pressehaus in der Hamburger Altstadt zu sehen ist. Die Fotos wurden 1938 von Dr. Zaun, dem Fotografen des Museums für Völkerkunde (heute MARKK) gemacht, das damals die archäologische Untersuchung in Hamburg geleitet hat. Diese Dias sind wahrscheinlich die ältesten Farbfotos von einer Ausgrabung in Hamburg und damit ein ganz besonderes Zeitzeugnis nicht nur für die Archäologie, sondern auch für die Farbfotografie.

 

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Wir bedanken uns für unseren Jingle bei Kai de Graaf von der Waldläufer Akademie. Die Töne stammen aus seiner nachgebauten eiszeitlichen Knochenflöte.