BURGEN IN HAMBURG VORTRAG

Machtzentren, Tempelburgen, frühe Städte – die frühmittelalterlichen slawischen Burgen im norddeutschen Raum

Referent: Prof. Dr. Felix Biermann, Stettin/Szczecin und Halle (Saale)

 

Archäologie, das heißt, mit Kelle und Pinsel Schicht für Schicht die Vergangenheit freilegen. Oder doch nicht? Archäologische Forschung stützt sich heute auf eine Vielzahl an innovativen Methoden und Techniken, um archäologischen Befunden ihre Geschichte zu entlocken. Das Archäologische Museum Hamburg beweist dies eindrücklich in seiner aktuellen Sonderausstellung „Burgen in Hamburg — Eine Spurensuche“. Passend dazu gibt der Referent, Prof. Dr. Felix Biermann in seinem Vortrag am 11. Mai einen Überblick zum slawischen Burgenbau zwischen Elbe und Oder im Mittelalter und untersucht gleichzeitig die Frage, welche Beziehungen sich zu den Befestigungen jener Zeitspanne in Hamburg ergeben.

 

Das Archäologische Museum Hamburg zeigt noch bis zum 21. August die Sonderausstellung „Burgen in Hamburg — Eine Spurensuche“. Mit dieser Ausstellung schlägt das Museum ein spannendes Kapitel der frühen Stadtgeschichte auf und nimmt nach neuestem Forschungsstand die mittelalterlichen Befestigungsanlagen in Hamburg in den Blick. Im Zentrum der Schau steht die Neue Burg aus dem 11. Jahrhundert, die Vorbildcharakter für viele weitere mittelalterliche Wallanlagen hatte. Die neuen Forschungsergebnisse, die die Archäologen bei den Ausgrabungen zur Neuen Burg sammeln konnten, sind auf viele andere Burganlagen zu übertragen. Der Referent, Prof. Dr. Felix Biermann, wird sich in seinem Vortrag „Machtzentren, Tempelburgen, frühe Städte — die frühmittelalterlichen slawischen Burgen im norddeutschen Raum“ mit diesem Thema beschäftigen und interessante Parallelen im mittelalterlichen Burgenbau in Norddeutschland aufzeigen.

 

Die Elb- und Ostseeslawen, die im frühen und hohen Mittelalter große Teile des heutigen Norddeutschlands besiedelten, konnten ihre politische Unabhängigkeit und ihren alten Glauben gegenüber den mächtigen christlichen Nachbarn teilweise bis in das 12. Jahrhundert bewahren. Ihre Herrschaftsträger stützten sich auf Befestigungen, die als Burgwälle bis heute die Kulturlandschaft prägen. Neben bekannten Monumenten wie dem wagrischen Fürstensitz Starigard (Oldenburg), der Jaromarsburg auf Kap Arkona oder Rethra, dem sagenumwobenen Mittelpunkt des kriegerischen Stammesbundes der Lutizen, gibt es Hunderte von Burgen, über die keinerlei Schriftquellen berichten.

 

Neue archäologische Ausgrabungen ermöglichen inzwischen wichtige Einsichten zur Gestalt, zu den Funktionen und zum wirtschaftlich-gesellschaftlichen Hintergrund dieser Wehrbauten, die martialische und gefährliche Zeiten bezeugen, aber auch von großen Herrschaftsbildungen, von weiträumigen kulturellen Kontakten, von wirtschaftlichen Krisen und Hochphasen künden. Burgen waren Stützpunkte und Instrumente militärisch durchgesetzter Macht, vielfach auch religiöse Zentren oder Ausgangspunkte urbaner Entwicklungen, zudem Ausdruck gesellschaftlicher Stressfaktoren wie kriegerischen Konflikten und globalisiertem Sklavenhandel. Der reich bebilderte Vortrag gibt einen Überblick zum slawischen Burgenbau zwischen Elbe und Oder vom 8. bis zum 12. Jahrhundert und zeichnet ein spannendes historisches Gesamtbild der norddeutschen Region zu diesem Thema.

 

Der Referent, Prof. Dr. Felix Biermann ist Professor für Frühmittelalterarchäologie an der Universität Stettin/Szczecin und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt in Halle an der Saale. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören die Wirtschafts- und Sozialstrukturen der frühmittelalterlichen westslawischen Gesellschaften in Polen und Ostdeutschland, die Archäologie von Burgen, wirtschaftlichen Zentralorten und agrarisch geprägten Siedlungen.

 

Die Vortragsreihe geht weiter:

Am 30. Juni wird sich Dr. Heiko Laß in seinem Vortrag „Burgen zwischen Ideal und Wirklichkeit. Warum ist die Burg des Mittealters ganz anders als in unserer Vorstellung?“ ebenfalls mit der aktuellen Burgenforschung beschäftigen: Es geht um fiktive und reale Burgen, Burgenfantasien, Burgenrekonstruktion und Burgenneuschöpfungen von landesherrlichen, adeligen oder bürgerlichen Bauherren.

 


Standort:

Archäologisches Museum Hamburg Dauerausstellung

Harburger Rathausplatz 5
21073 Hamburg

Infos:

kostenlos

Termin(e):