Die Entdeckung des Bischofsturms

Bei Aushubarbeiten für einen Neubau stieß man 1962 überraschend auf einen sensationellen archäologischen Befund, der heute über die Grenzen Hamburgs hinaus als Bischofsturm bekannt ist.

Dabei handelt es sich um einen gewaltigen Steinring aus Findlingen mit einem äußeren Durchmesser von 19 Metern. Ein unmittelbar im Westen angebauter kleiner Steinring gehört zu einem Brunnenschacht, der heute noch über vier Meter tief in den Untergrund reicht.

Der Bischofsturm ist eines der bedeutendsten Bodendenkmäler Hamburgs, das als sichtbares Zeugnis der frühen Stadtentwicklung dauerhaft erhalten werden muss. Seit 1969 sind die Fundamentreste als Außenstelle des Archäologischen Museums Hamburg für die Öffentlichkeit zugänglich. Die jetzige Gestaltung entstand im Jahr 2011.

 

 

Historische Deutung des Bischofsturms

Der Chronist Adam von Bremen erwähnt um 1075 in seinem Buch über die Hamburgische Kirchengeschichte ein Steinernes Haus des Erzbischofs Bezelin Alebrand (1035-43). Ein Steingebäude war damals eine Besonderheit im Norden, wo man sonst nur in Holz baute. Als man 1962 den mächtigen Steinring entdeckte, hat man ihn daher als Fundament des mehrgeschossigen Wohnturms des Bischofs gedeutet und als Bischofsturm benannt.

Jüngste Ausgrabungen des Archäologischen Museums Hamburg auf einem angrenzenden Grundstück erbrachten neue Erkenntnisse. Demnach wurde der Bischofsturm erst im 12. Jahrhundert erbaut und dürfte den Nordturm des ältesten Hamburger Stadttores darstellen, überliefert als Marien– oder Schultor. Denn genau hier führt die älteste Straße der Stadt, die Steinstraße, durch den Heidenwall, Hamburgs früheste Stadtbefestigung.