Archäologe in der Freizeit?

Das Engagement ehrenamtlicher Helfer ist für die Denkmalpflege von großer Bedeutung. Im Landkreis Harburg können sich Freiwillige beispielsweise durch die Mitarbeit bei Ausgrabungen einbringen. Um solche und andere Einsätze zu organisieren, hat sich am Museum die Arbeitsgemeinschaft “Praktische Archäologie” gegründet. Bei den monatlichen Treffen geht es um denkmalpflegerische Themen, es werden gemeinsame Aktivitäten geplant und ausgrabungstechnische Schulungen durchgeführt.

Die Arbeitsgemeinschaft steht allen an der Archäologie Interessierten ab 16 Jahren offen.

Treffen

Nächstes Treffen der AG: immer um 18 Uhr am letzten Dienstag im Monat.
Achtung: Im Oktober findet das Treffen schon am vorletzten Dienstag (24.10.) statt.
Besprechungsraum, Museumsplatz 2, 21073 Hamburg
Ansprechpartnerin: Christa Sallam, E-Mail: christa.sallam@web.de


Aktuelles



von Christa Sallam, September 2017

Statt im Archäologischen Museum Hamburg Steinartefakte zu analysieren und über Grabbeigaben aus Hügelgräbern zu diskutieren, verlegte die AG Praktische Archäologie ihr monatliches Treffen im September in die Hamburger City. Grabungsleiter Kay-Peter Suchowa informierte die Gruppe vor Ort über die derzeit laufende Ausgrabung „Bei den Mühren“. Hier erfuhr sie viele interessante Details über die Erstbesiedlung der Cremon-Insel im 13. Jahrhundert bis hin zur Zuschüttung des Katharinenfleets nach dem 2. Weltkrieg. Freigelegte hölzerne Wasserleitungen, sogenannte Pipen, Backsteine im Kloster- oder Hamburger Format, Tonscherben aus einer Abfallgrube einer Zuckersiederei, Reste von Fayencen, Tonpfeifen und diverse Glas- und Metallgegenstände gaben spannende Einblicke in die Lebens- und Arbeitswelt der damaligen Bewohner im Mittelalter und der Neuzeit.

von Cornelia Breitkreuz, 2017
Eine Anzahl erfahrener Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft begeht schon seit vielen Jahren Geländedenkmäler im Landkreis Harburg und „schaut nach dem Rechten“. Es handelt sich hier um obertägig sichtbare Denkmäler, also Grabhügel, Landwehren oder Wölbäcker. Die Ehrenamtlichen überprüfen den Erhalt und die Erscheinung des Bodendenkmals und schreiben ihre Einschätzung in einem Protokoll für die Denkmalpflege bzw. deren Ortsakten auf. Es geht dabei z.B. um Zerstörungen eines Grabhügels durch umgestürzte Bäume, starken Bewuchs, Tierbauten oder besonders auch um menschliche Eingriffe, die das Denkmal gefährden. Interessant ist hierbei, ob der Zugang gewahrt ist oder ob es sinnvoll sein könnte, ihn zu verbessern, um das Geländedenkmal der Öffentlichkeit besser präsentieren zu können.
Diese Arbeit kann man nur im Winterhalbjahr machen, wenn die Vegetation fehlt und man daher gute Sicht hat. Es ist günstig, zu zweit zu sein. Ich habe anhand ausgewählter Ortsakten und der dazugehörigen Karten – zusammen mit meinem Mann, der mit dem GPS-Gerät voran die Koordinaten aufsuchte – das Gelände im Raum Moisburg durchstiefelt und dabei Fotos und Notizen gemacht. Das Protokoll erfordert Genauigkeit und einen gewissen Zeitaufwand. Zur Vorbereitung bekommt man jede notwendige Beratung durch die Denkmalpflege des Museums, d.h. durch Jochen Brandt und andere Mitarbeiter dort. Insgesamt eine nützliche und empfehlenswerte Winterbeschäftigung!
Menschliche und tierische Eingriffe an Grabhügeln, im Foto dokumentiert:
von Christa Sallam, August 2017
Selbst schlechtes Wetter konnte die 10-köpfige Gruppe der Ehrenamtlichen letztes Wochenende nicht aus der Spur bringen. Bei Regen und Wind führte sie unter der Leitung des Kreisarchäologen Dr. Brandt nahe Eyendorf eine Feldbegehung durch. Ein abgeernteter Acker wurde dabei systematisch schleifenförmig begangen und nach Funden abgesucht.
Anlass hierfür war ein goldener Armreifen, der dort 1853 gefunden wurde. Dieses Schmuckstück war einst eine Grabbeigabe in einem steinzeitlichen Großsteingrab aus der Zeit um 3000 v. Chr., das laut alten Unterlagen ebenfalls dort gelegen haben soll. Ziel der Begehung war es, die genaue Lage der inzwischen komplett zerstörten Bestattung näher zu lokalisieren. Es wurden insbesondere im Zentrum des Feldes diverse Flintabschläge, gebrannter Flint und Keramik aus unterschiedlichen Zeitepochen gefunden. Der schönste Fund jedoch war ein bearbeitetes Flintstück aus der jüngeren Steinzeit, eine wohl schon bei der Herstellung gebrochene Pfeilspitze (siehe Foto unten).

von Christa Sallam, Juli 2017
Die Arbeitsgemeinschaft Praktische Archäologie hat den Archäologischen Wanderpfad in Schuss gebracht. Unter Leitung von Christa Sallam haben vier ehrenamtlichen AG-Mitglieder mit Unterstützung von Archäologie-Studierenden die Hügelgräber von Bewuchs und Laub befreit – nun sind auch die Infoschilder wieder blitz blank.
Über ca. vier Kilometer führt der Wanderpfad durch die Fischbeker Heide (Hamburg-Neugraben) und an mehreren Begräbnisstätten aus der Jungsteinzeit bis zur vorchristlichen Eisenzeit vorbei. Wer möchte kann sich auf den Schautafeln die unterschiedlichen Bestattungsriten unserer Vorfahren erklären lassen oder einfach die Natur genießen.