Archäologe in der Freizeit?

Das Engagement ehrenamtlicher Helfer ist für die Denkmalpflege von großer Bedeutung. Im Landkreis Harburg können sich Freiwillige beispielsweise durch die Mitarbeit bei Ausgrabungen einbringen. Um solche und andere Einsätze zu organisieren, hat sich am Museum die Arbeitsgemeinschaft “Praktische Archäologie” gegründet. Bei den monatlichen Treffen geht es um denkmalpflegerische Themen, es werden gemeinsame Aktivitäten geplant und ausgrabungstechnische Schulungen durchgeführt.

Die Arbeitsgemeinschaft steht allen an der Archäologie Interessierten ab 16 Jahren offen.

Treffen

Nächstes Treffen der AG:
immer um 18 Uhr am letzten Dienstag im Monat.
Besprechungsraum, Museumsplatz 2, 21073 Hamburg
Ansprechpartnerin: Christa Sallam, E-Mail: christa.sallam@web.de

Achtung: Das Treffen am Di., 28.11. wird auf Di., 05.12.2017 verlegt und findet außer der Reihe NICHT im Museum statt, sondern aushäusig in Rosengarten-Eckel. Für nähere Informationen hierzu kontaktieren Sie bitte die o. g. Mailadresse.
Das nächste Treffen danach wird dann erst wieder im neuen Jahr sein (30.01.2018).


Aktuelles


von Christa Sallam, November 2017

Jedes Jahr führt die AG Praktische Archäologie unter Leitung des Kreisarchäologen Dr. Brandt eine Pflegemaßnahme an einem Bodendenkmal im Landkreis Harburg durch. Dieses Jahr hat sich die Gruppe hierfür ein ca. 5200 Jahre altes Großsteingrab ausgewählt. Es liegt am Rande eines Ackers in Langenrehm bei Emsen. In den 1930ern fanden dort intensive Grabungen statt. Seitdem führte es, unbeachtet von Wanderern und Spaziergängern, ein eher tristes Dasein. Die Natur eroberte sich das Gelände langsam wieder zurück.
Nun hat die AG das Megalithgrab, vom dem nur noch einige wenige Trägersteine und ein mächtiger Deckstein vorhanden sind, von Gehölz, Buschwerk, Müll und Totholz befreit und sein Umfeld gesäubert. Das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen.
Aber kann man denn jedes Bodendenkmal so einfach „wiederbeleben“? Nein, bei weitem nicht. Es sind eine Menge Vorschriften zu beachten. Und ohne Genehmigung darf niemand an einem Denkmal Hand anlegen, auch wenn er es nur – gut gemeint – säubern will.

Für jeden Eingriff an einem unter Denkmalschutz stehenden Objekt hat die Denkmalschutzbehörde die geplante Maßnahme vorab genau zu prüfen. Ist sie werterhaltend und bestehen keine anderen Bedenken, wird die Erlaubnis erteilt, meist mit einem Vorgabekatalog versehen. In diesem Katalog ist u. a. genau aufgeführt, wie die Maßnahme mit welchen Mitteln durchzuführen ist. Das hört sich sehr bürokratisch an, doch ist dies zum Schutz und Erhalt des Objektes wichtig. Schließlich soll der jeweilige Denkmalcharakter erhalten bleiben.
Befindet sich das zu pflegende Bodendenkmal auf Privatbesitz, ist natürlich vorab auch der Grundeigentümer oder Pächter über die anstehende Maßnahme zu informieren. Zudem sind u. a. Betretungsrechte einzuholen und gegebenenfalls notwendige äußerliche Veränderungen auf dem Grundstück abzustimmen.
Wenn außerdem noch durch Rodungsmaßnahmen in die Natur eingegriffen wird, ist es unter Umständen notwendig, dass für den entsprechenden Bereich auch die Naturschutzbehörde eingeschaltet werden muss. Meist treffen sich die Fachbereiche Archäologe und Naturschutz, wie auch in unserem Fall, zu einem Ortstermin. Gemeinsam besprechen sie, was genau geplant und wo ein Eingriff in die Natur zum Schutz des Denkmals unvermeidbar ist. Die Naturschutzbehörde entscheidet dann, wo und wie intensiv gerodet oder zurückgeschnitten werden darf.

Wenn dann all diese Vorbereitungen erledigt sind, stellt die AG Praktische Archäologie ein Team zusammen und führt die Pflegemaßnahme durch. In Langenrehm benötigten fünf Ehrenamtliche zusammen mit Dr. Brandt rund drei Stunden, um mit Motorsäge, Astschneider, Gartenschere und Harke die obertägig noch sichtbaren Steine des großen Grabes wieder freizulegen.
Jedes von der AG gepflegte Denkmal erhält danach aus den Reihen der Mitglieder einen sogenannten Pflegepaten. Dieser sorgt regelmäßig dafür, dass „sein“ Denkmal nicht wieder so schnell zwischen Gestrüpp und Buschwerk verschwindet.

Ziel einer Pflegemaßnahme ist aber nicht nur die Erhaltung des Bodendenkmals, sondern es sollte auch für die Öffentlichkeit zugänglich und bekannt gemacht werden. Direkt neben dem Megalithgrab in Langenrehm kann nun bald eine extra entworfene Informationstafel den Besuchern Auskunft über den jungsteinzeitlichen Bestattungsplatz geben. Und ein Wegweiser auf dem nur 150 m entfernt liegenden viel genutzten Heidschnuckenweg, einem von Deutschlands Premium-Wanderwegen, wird zukünftig Wanderer und Spaziergänger zu einem Abstecher dorthin einladen.
Der Dornröschenschlaf für dieses sehr alte Großsteingrab ist damit beendet.

von Christa Sallam, September 2017

Statt im Archäologischen Museum Hamburg Steinartefakte zu analysieren und über Grabbeigaben aus Hügelgräbern zu diskutieren, verlegte die AG Praktische Archäologie ihr monatliches Treffen im September in die Hamburger City. Grabungsleiter Kay-Peter Suchowa informierte die Gruppe vor Ort über die derzeit laufende Ausgrabung „Bei den Mühren“. Hier erfuhr sie viele interessante Details über die Erstbesiedlung der Cremon-Insel im 13. Jahrhundert bis hin zur Zuschüttung des Katharinenfleets nach dem 2. Weltkrieg. Freigelegte hölzerne Wasserleitungen, sogenannte Pipen, Backsteine im Kloster- oder Hamburger Format, Tonscherben aus einer Abfallgrube einer Zuckersiederei, Reste von Fayencen, Tonpfeifen und diverse Glas- und Metallgegenstände gaben spannende Einblicke in die Lebens- und Arbeitswelt der damaligen Bewohner im Mittelalter und der Neuzeit.

von Cornelia Breitkreuz, 2017
Eine Anzahl erfahrener Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft begeht schon seit vielen Jahren Geländedenkmäler im Landkreis Harburg und „schaut nach dem Rechten“. Es handelt sich hier um obertägig sichtbare Denkmäler, also Grabhügel, Landwehren oder Wölbäcker. Die Ehrenamtlichen überprüfen den Erhalt und die Erscheinung des Bodendenkmals und schreiben ihre Einschätzung in einem Protokoll für die Denkmalpflege bzw. deren Ortsakten auf. Es geht dabei z.B. um Zerstörungen eines Grabhügels durch umgestürzte Bäume, starken Bewuchs, Tierbauten oder besonders auch um menschliche Eingriffe, die das Denkmal gefährden. Interessant ist hierbei, ob der Zugang gewahrt ist oder ob es sinnvoll sein könnte, ihn zu verbessern, um das Geländedenkmal der Öffentlichkeit besser präsentieren zu können.
Diese Arbeit kann man nur im Winterhalbjahr machen, wenn die Vegetation fehlt und man daher gute Sicht hat. Es ist günstig, zu zweit zu sein. Ich habe anhand ausgewählter Ortsakten und der dazugehörigen Karten – zusammen mit meinem Mann, der mit dem GPS-Gerät voran die Koordinaten aufsuchte – das Gelände im Raum Moisburg durchstiefelt und dabei Fotos und Notizen gemacht. Das Protokoll erfordert Genauigkeit und einen gewissen Zeitaufwand. Zur Vorbereitung bekommt man jede notwendige Beratung durch die Denkmalpflege des Museums, d.h. durch Jochen Brandt und andere Mitarbeiter dort. Insgesamt eine nützliche und empfehlenswerte Winterbeschäftigung!
Menschliche und tierische Eingriffe an Grabhügeln, im Foto dokumentiert:
von Christa Sallam, August 2017
Selbst schlechtes Wetter konnte die 10-köpfige Gruppe der Ehrenamtlichen letztes Wochenende nicht aus der Spur bringen. Bei Regen und Wind führte sie unter der Leitung des Kreisarchäologen Dr. Brandt nahe Eyendorf eine Feldbegehung durch. Ein abgeernteter Acker wurde dabei systematisch schleifenförmig begangen und nach Funden abgesucht.
Anlass hierfür war ein goldener Armreifen, der dort 1853 gefunden wurde. Dieses Schmuckstück war einst eine Grabbeigabe in einem steinzeitlichen Großsteingrab aus der Zeit um 3000 v. Chr., das laut alten Unterlagen ebenfalls dort gelegen haben soll. Ziel der Begehung war es, die genaue Lage der inzwischen komplett zerstörten Bestattung näher zu lokalisieren. Es wurden insbesondere im Zentrum des Feldes diverse Flintabschläge, gebrannter Flint und Keramik aus unterschiedlichen Zeitepochen gefunden. Der schönste Fund jedoch war ein bearbeitetes Flintstück aus der jüngeren Steinzeit, eine wohl schon bei der Herstellung gebrochene Pfeilspitze (siehe Foto unten).

von Christa Sallam, Juli 2017
Die Arbeitsgemeinschaft Praktische Archäologie hat den Archäologischen Wanderpfad in Schuss gebracht. Unter Leitung von Christa Sallam haben vier ehrenamtlichen AG-Mitglieder mit Unterstützung von Archäologie-Studierenden die Hügelgräber von Bewuchs und Laub befreit – nun sind auch die Infoschilder wieder blitz blank.
Über ca. vier Kilometer führt der Wanderpfad durch die Fischbeker Heide (Hamburg-Neugraben) und an mehreren Begräbnisstätten aus der Jungsteinzeit bis zur vorchristlichen Eisenzeit vorbei. Wer möchte kann sich auf den Schautafeln die unterschiedlichen Bestattungsriten unserer Vorfahren erklären lassen oder einfach die Natur genießen.