Unter Häusern und Straßen verborgen – Hamburgs unterirdisches Bodenarchiv

Von Bodendenkmalen ist in der Metropole Hamburgs oberirdisch nur noch wenig zu sehen. Bedingt durch den Bauboom konzentriert sich die Arbeit der Hamburger Bodendenkmalpflege auf die Erforschung der mittelalterlichen und neuzeitlichen Geschichte der Altstadtkerne von Hamburg, Harburg und Bergedorf.

Ausgelöst durch Großbauprojekte wurden in den letzten Jahren umfangreiche archäologische Ausgrabungen, u. a. auf dem Hamburger Domplatz, im Umfeld der Hauptkirche St. Petri am Speersort und Hopfenmarkt  sowie im Harburger Binnenhafen durchgeführt. Viele Ergebnisse sind in die digitale Ausstellung „HAMMABURG UND DIE ANFÄNGE HAMBURGS” im Google Arts Projekt eingeflossen, andere in der Publikation “Archäologie in Hamburg / Die Harburger Schloßstraße” nachzulesen.

Service

Kontakt

Bodendenkmalpflege
Freie und Hansestadt Hamburg
Dr. Elke Först
Tel.: 040 42871-3690
E-Mail: Elke.Foerst@amh.de
Termine nach Vereinbarung.
Ihre Funde begutachten wir auch gern während der allgemeinen Sprechzeiten des Museums, mittwochs, 10:00 bis 12:00 Uhr und 14:00 bis 16:00 Uhr.

Aktuelle Ausgrabungen

In unmittelbarer Nähe zur Hafencity und zur Elbphilharmonie, im Bereich der sogenannten „Cremon-Insel“, führt das Archäologische Museum Hamburg noch bis November eine Ausgrabung durch. Auf der heute kaum noch als Insel zu erkennenden Cremon-Insel sichern die Archäologen auf dem Gelände „Bei den Mühren 2-5“ alle archäologischen Spuren, bevor dort eine Neubebauung startet. Die Wissenschaftler erhoffen sich Aufschluss über die Siedlungsentwicklung, Kolonialisierung und Nutzung des Areals vom Mittelalter bis in die Neuzeit.
Untersucht werden dabei die hinteren Bereiche der Grundstücke, die im Norden an das 1946 zugeschüttete Katharinenfleet – die heutige Straße Katharinenfleet – grenzen. Bei der Cremon-Insel handelt es sich um eine Marschinseln im Mündungsgebiet der Alster in die Elbe. Ihr Name leitet sich wahrscheinlich vom ersten im Stadtbuch erwähnten Grundeigentümer „Fredhericum de Crimun“ ab. Die Insel wurde vermutlich erst im 12. / 13. Jahrhundert besiedelt und dann 1247 zusammen mit dem Katharinenfleet erstmals urkundlich erwähnt. Bisher wird angenommen, dass zu Beginn der Besiedlung ein Ringdeich angelegt wurde, der im Verlauf der heutigen Straßen Cremon, Katharinenstraße, Steckelhörn, Bei den Mühren und Bei dem neuen Kran verlief. Die frühen Grundstücke innerhalb dieser Eindeichung sollen dabei die gesamte Inselbreite eingenommen haben. Im Laufe der Jahrhunderte wurden diese Grundstücke zu immer kleineren Parzellen.
Mit der derzeitigen Ausgrabung gilt es, die bisherigen Ansichten zu überprüfen. Die ältesten Stadtabbildungen, auf denen die Cremon-Insel deutlich zu erkennen ist, stammen aus der Zeit um 1585 und 1588. Auf diesen ist bereits eine kleinteilige Parzellierung mit Hausbebauung bis zum Katharinenfleet hin zu sehen. Zu dieser Bebauung gehören die jüngsten jetzt entdeckten Hausbefunde, außerdem eine Abfallgrube voller Keramik zur Zuckerhutherstellung; die Scherben datieren in das 18. / 19. Jahrhundert. Mehr als 100 Zuckerhut- und Melassetöpfe belegen, dass auf dem Grundstück Zucker raffiniert worden ist. Zwischen 1750 und 1850 war Hamburg das Zentrum der europäischen Zuckerraffination. Bezeichnenderweise stand in unmittelbarer Nachbarschaft um 1870 eine Destille: Zur Herstellung von Branntwein wird Zucker benötigt.
Schriftliche Nachrichten aus der jüngsten Bebauungszeit berichten, dass die zum Katharinenfleet gelegenen Hausfronten baufällig waren, der herausgefallene Schutt das Fleet verunreinigte und die Schifffahrt gefährdete. Wir erfahren auch beispielsweise, dass 1894 ein Bauantrag gestellt wurde, um eine doppelte Kegelbahn sowie einen Ofen in den Keller eines der untersuchten Häuser einzubauen.
Abwasserleitungen aus Holz und Sandstein zeigen, dass im 16. Jahrhundert Unrat aus den vorderen Dielenhäusern in das Fleet geleitet wurde. Im 15. Jahrhundert jedoch war, wie archäologische Befunde beweisen, der hintere Hofbereich noch unbebaut. Fast 4,5 m unter der heutigen Oberfläche konnte eine alte Uferbefestigung erfasst werden, die zeigt, dass sich das Katharinenfleet um mindestens 2 m Richtung Süden ausgedehnt hat und die Höfe einen offenen Zugang zu diesem geboten haben.
Neben zahlreichen lokalen, aber auch importierten Keramikfunden konnte dort eine Bernsteinperle geborgen werden. Bernstein, das „Gold der Ostsee“, war ein begehrtes Handelsgut, und sicherlich hat sich der Besitzer über diesen Verlust geärgert.
Bis zum November 2017 wollen die Archäologen noch weitere 1,5 m in die Tiefe gehen, um die Phase der Erstbesiedlung zu erfassen. Welche Rätsel es dabei noch zu entschlüsseln gilt, ist nicht vorherzusehen, und so bleibt es weiterhin spannend.
Fotos: Peet Behm

Archiv Ausgrabungen

Auf der Suche nach den Anfängen Hamburgs

Im Herzen der Stadt, im Bereich der sogenannten „Neuen Burg“ im Nikolaiquartier, führt das Archäologische Museum Hamburg eine 6-monatige Ausgrabung durch. Das Gebiet rund um den Hopfenmarkt birgt ein für Hamburg einzigartiges Bodendenkmalensemble. Hier begann vor fast 1.000 Jahren die Entwicklung Hamburgs von der Burg zur Stadt. Die Archäologen wollen dem Boden an einem der geschichtsträchtigsten Plätze Hamburgs seine letzten Geheimnisse entlocken, bevor die Neubebauung des Grundstückes startet und alle archäologischen Spuren vernichtet werden. Auf dem 119 m² großen Grabungsfeld sind archäologische Funde der zwischen 1021 und 1024 errichteten Ringwallbefestigung der „Neuen Burg“ im Erdreich erhalten. Diese sollen nun vor der Neubebauung ausgegraben und wissenschaftlich dokumentiert werden.
Bereits in den Jahren 2014/15 haben die Archäologen auf dem südlich angrenzenden Grundstück Reste des Walles der Neuen Burg ausgegraben. Damals sorgten sie schon für eine Überraschung: Sie konnten durch dendrochronologische Untersuchungen nachweisen, dass die Neue Burg rund 40 Jahre älter war als zuvor angenommen und dass die sogenannte „Alsterburg“, die in vielen historischen Quellen erwähnt wird, nicht existiert hat.  Auf der aktuellen Grabungsfläche (Großer Burstah 19-21 / Hahntrapp 4) hoffen sie nun, neue wichtige Ergebnisse ermitteln zu können, so z.B. die ehemalige Wallhöhe sowie den weiteren Wallverlauf. Da die Straße „Großer Burstah“ nach dem heutigen Kenntnisstand der Archäologen dem Verlauf eines bereits im 11. Jahrhundert genutzten Handelsweges folgt, wäre es möglich, während der Grabung in den Bereich einer ehemaligen Toranlage zu gelangen. Auf dem Grabungsfeld könnten sich zudem Reste der später entstandenen Kaufmannssiedlung befinden.

Fotos: Peet Behm

Weitere Informationen folgen …